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Pressestimmen
Christen und Moslems im Dialog
Die “Nachtkirche” der evangelischen Jesus-Christus-Kirche stand unter dem Thema “Islam und Christentum”. Das Thema stieß auf großes Interesse: Die Kirche war voll besetzt.
Münchner Merkur 22.6.2010 Von Ruth Gemeinhardt
Germering - Eine Pappmoschee in der Jesus-Christus-Kirche, ein Halbmond unter dem Christenkreuz und Muslime, die neben Christen in der Kirchenbank sitzen - dieses fast anrührige Bild bot sich den Besuchern der “Nachtkirche”. Pfarrer Jan Freiwald hatte schon im Vorfeld die Türkisch-Islamische Gemeinde (TIG) nicht nur eingeladen, sondern mit einbezogen. Im Vorraum war ein Tisch aufgebaut mit Gebetsteppich und Koran, und es war der muslimische Religionsbeauftragte Hüseyin Zeki Çam, der den christlichen Gottesdienst mit dem Rezitieren von zwei Suren aus dem Koran beginnen durfte.
Der kräftige Applaus an die Gäste für ihr Kommen war berechtigt, denn im bei der “Nachtkirche” traditionellen Theater-Sketch wurden viele vorherrschende Klischees verarbeitet: Vermummte Christen boykottierten den Bau einer Moschee, um ihre Werte zu schützen. Sie sparten nicht mit Vorurteilen gegenüber Moslems: Die Buben seien gewaltbereit, die Mädchen unterdrückt. Die Gäste hielten tapfer durch.
Gut, dass der Vorsitzende der TIG, Gürkan Erkiliç, schon davor eine kurze Einführung in den Islam gegeben hatte. “Tötet man einen Menschen, so ist es, als hätte man alle getötet”, zitierte er aus dem Koran und betonte, dass alle zu Frieden verpflichtet sind.
Ein Interview mit Erkiliç ergänzte westliche Fragen. Dürfen die Christen in der Türkei Kirchen bauen? “Jeder sollte sein Gotteshaus haben”, so Erkiliç, in Istanbul gebe es tatsächlich 18 christliche Kirchen. Warum werden die Frauen aus dem öffentlichen Leben ausgegrenzt? “Unterscheiden Sie bitte”, antwortete Erkiliç. “Im Koran hat die Frau die gleichen Rechte wie der Mann. Aber oft sind die menschlichen Gepflogenheiten andere”, so der TIG-Vorsitzende.
Pfarrer Freiwald hätte für seine Predigt wohl keine besseren Worte finden können, als die, die schon Gotthold Ephraim Lessing seinen “Nathan” hat sagen lassen: “Wohlan! Es eifre jeder seiner unbestochenen, von Vorurteilen freien Liebe nach!” heißt es in der berühmten Ring-Parabel des Lessing’schen Dramas. “Ohne Vorurteile, im Dialog und mit Liebe können wir im guten Sinne wetteifern - denn am Ende stehen keine Religionen, sondern Gott allein”, so Freiwald.
Wie dringend der Dialog ist, zeigten dann die Fragen der Besucher, die den Rahmen zu sprengen drohten. Und so war es auch weise, im Anschluss zu einem kleinen Imbiss zu laden, bei dem man sich noch austauschen konnte. “Ich bin zum ersten Mal in einer Kirche, und es hat mir sehr gut gefallen. Ich denke, das hat viel gebracht”, sagte Leyla Nur, die seit acht Jahren in Deutschland lebt.
KOMMENTAR Beide Seiten haben Mut gezeigt Im Juli 2006 hat die erste Nachtkirche stattgefunden. Doch während man anfangs versucht hatte, mit Showeffekt, verstärkter Beschallung, Bewegung und flotten Sprüchen die Jugend in die Kirche zu bringen, hat die Nachtkirche inzwischen zu ihrem eigenen Charakter gefunden. Darauf kann das Team stolz sein. Offensichtlich wurde erkannt, dass in erster Linie Mut zu konsequenten Umsetzung gefragt ist, wenn man neue Wege gehen will. Diesen Mut haben sie diesmal gezeigt - nicht nur die Jesus-Christus-Kirche, sondern auch die Türkisch-Islamische Gemeinde Germering. Und dieser Mut muss den geschützten Raum verlassen, um gemeinsam die Gefahren des Fundamentalismus angehen zu können. Es ist kein leichter Weg. Das Missverständnis ist das Risiko des Dialogs - auch das hat Lessing gelehrt. Ruth Gemeinhardt
Turm-Kreuz als i-Tüpfelchen
Die einen haben es noch gar nicht vermissst, die anderen schon sehnsüchtig erwartet: Seit gestern, 9.20 Uhr, hat die evangelische Jesus-Christus-Kirche wieder ein Kreuz auf der Turmspitze.
Münchner Merkur 8. Mai 2009 Von Ruth Gemeinhardt
Germering – Der Vorgang war nicht ganz so einfach wie gedacht. Erst musste die Kirchturmspitze von der Plastikabdeckung befreit und wie eine Schachtel aufgeklappt werden. Dann musste eine schwere Stange in die Spitze eingeführt werden, auf der dann im dritten Gang das schwere Edelstahlkreuz befestigt wurde. Bei einer vierten Auffahrt wurde es justiert und die Turmspitze wieder zugeklappt.
Im Gegensatz zu vorher ist das neue Kreuz nun um 90 Grad gedreht, so dass man es gut sieht, wenn man an der Kirche vorbeifährt. Die goldene Kugel soll früher angeblich Kirchenschätze beinhaltet haben, wurde gemutmaßt. „In unserer ist nichts drin“, betonte aber Pfarrer Jan Freiwald. Das alte Gusseisenkreuz, das laut Pfarrerin Freiwald eine Spende von Sozialdienst-Gründer Hans Mannhardt gewesen sei, fiel einem Unfall zum Opfer. Eine Betonpumpe war mit dem Greifarm dagegen gestoßen und es zerbrach in mehrere Stücke. Ludwig Nüssel hat nun ein identisches Kreuz angefertigt. „Es ist aus einem Stück mittels Wasserstrahl aus einer Stahlplatte geschnitten worden“, erläuterte er. Es wiegt rund 30 Kilogramm und befindet sich in etwa 22 Metern Höhe.

„Es ist phantastisch, dass wir unser Kreuz wieder haben. Es ist das i-Tüpfelchen“, meinte Jan Freiwald. Viele Menschen hätten es doch sehr vermisst und immer wieder danach gefragt. Und es war eine der letzten großen Aktionen des rund zehnmonatigen Kirchenumbaus, der im Februar größtenteils abgeschlossen wurde. Jetzt muss nur noch das Nordfenster fertig gestellt und der Außenbereich neu angelegt werden. Doch darüber werde noch ebenso diskutiert wie über die umstrittenen Betonwände im Innenraum, sagte Peter Benoit vom Kirchenvorstand.
Die neu gestaltete Kirche sei sehr gut angenommen worden, berichtet Ruth Freiwald. Viele Gläubige würden die Helligkeit am Tag genießen und das gemütliche Glitzern des Glas-Taufbeckens, wenn am Abend das Licht darauf fällt. Zudem passen jetzt 400 Leute in den Kirchenraum. Das Kreuz in der neuen Eingangswand hat eine interessante Beleuchtung. „Auch das kommt bei den Menschen gut an“, sagte Jan Freiwald. Für ein Fünftel der Bausumme von rund 540.000 Euro muss nun ein Darlehen aufgenommen werden. Benoit: „Das gilt es dann noch abzubezahlen.“
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